
EcoVadis und VS: die schlaue Verbindung zählt
Wo sich der Nachhaltigkeitsbericht nach dem Voluntary Standard (VS, vorher VSME) und das EcoVadis-Rating inhaltlich überschneiden, wo der VS an seine Grenzen stößt und wie Unternehmen beide Anforderungen effizient erfüllen.
- Der VS deckt bereits große Teile der EcoVadis-Themenfelder Umwelt, Soziales und Governance ab
- Ein VS-Bericht ersetzt kein vollständiges EcoVadis-Rating: Nachweise zu Lieferkette, Zielen und Abdeckung fehlen im Standard-VS-Bericht meist
- Ein erweiterter VS-Bericht (VS+) kann diese Lücken schließen und bringt zusätzliche Punkte in genau den Bereichen, die der reine VS nicht abdeckt
- EcoVadis fragt bei Treibhausgasemissionen deutlich granularer ab als der VS, insbesondere bei vor- und nachgelagerten Scope-3-Emissionen
- Wer VS-Bericht und EcoVadis-Fragebogen von Anfang an gemeinsam denkt, vermeidet doppelte Datenerhebung und spart mit steigender Erfahrung spürbar Zeit
- Eine zentrale Datenbasis erleichtert es, dieselben Datenpunkte für beide Zwecke zu pflegen, ersetzt aber nicht die inhaltliche Einordnung durch fachliche Beratung
In den ersten beiden Teilen dieser Reihe ging es darum, wie EcoVadis grundsätzlich bewertet und wie sich Nachweisdokumente formal sauber vorbereiten lassen. Viele Unternehmen erstellen parallel dazu ohnehin einen Nachhaltigkeitsbericht nach VS. Die naheliegende Frage lautet: Wie viel dieser Arbeit lässt sich für EcoVadis wiederverwenden – und wo bleiben unabhängig davon Lücken? Dieser Gastbeitrag von sustentio ordnet ein.
Aus dem VSME wird der VS
Der VS gilt künftig als freiwilliger Standard für alle Unternehmen außerhalb des CSRD-Anwendungsbereichs, also bis 1.000 Beschäftigte, und nicht mehr nur explizit für KMU. Inhaltlich basiert er auf dem bisherigen VSME-Standard mit minimalen Anpassungen. Er enthält zentrale KPIs und qualitative Beschreibungen allgemeiner und ESG-bezogener Angaben. Dabei können Unternehmen entweder nur das Basismodul berichten oder dies um das erweiterte Modul ergänzen. Sowohl der überarbeitete VS als auch die ESRS wurden im Juli 2026 als delegierte Rechtsakte von der EU-Kommission verabschiedet. Die offizielle Veröffentlichung und finale Rechtsgültigkeit folgen Mitte/Ende 2026.
Hauptziel des VS ist es, kleinen und mittelgroßen Unternehmen ein Format zu bieten, mit dem sie Informationen für Kund:innen, Investor:innen und andere Stakeholder effizient veröffentlichen. Da auch EcoVadis für viele dieser Unternehmen und Stakeholder eine Rolle spielt, können Unternehmen mit der Integration verschiedener Formate viel Zeit sparen.
Wo sich VS und EcoVadis inhaltlich überschneiden
Der VS bildet bereits einige Themenfelder ab, die auch bei EcoVadis bewertet werden. Anbei ein Ausschnitt der thematischen Überschneidung:
| VS-Bereich | Beispielhafte Angaben | Entsprechendes EcoVadis-Themenfeld |
|---|---|---|
| Umwelt (B3–B7, C3, C4) | Energie & THG, Wasser, Biodiversität, Ressourcen & Abfall, Klimaziele, Klimarisiken | Umwelt: Betrieb & Produkte |
| Soziales (B8–B10, C5–C7) | Gesundheit & Sicherheit, Vergütung, Schulungen, Menschenrechte, Vorfälle | Arbeits- und Menschenrechte |
| Governance (B11, C8, C9) | Korruption & Bestechung, Umsätze aus bestimmten Sektoren, Geschlechtervielfalt | Ethik |
Viele Unternehmen können ihren VS-Bericht also als belastbare Datengrundlage für EcoVadis nutzen. Das gilt vor allem für VS-Berichte mit erweitertem Modul. Besonders wirksam ist der VS-Bericht dabei für die Managementindikatoren Richtlinien, Maßnahmen und Berichterstattung – also genau jene Bereiche, in denen EcoVadis strukturierte, aktuelle und extern nachvollziehbare Angaben erwartet.
Ein Bericht überzeugt EcoVadis nach den im Fragebogen hinterlegten Qualitätskriterien besonders dann, wenn er extern geprüft ist, nach einem anerkannten Standard erstellt wurde sowie KPIs aus mindestens drei Jahren und eine Wesentlichkeitsanalyse enthält.
Wo der VS an seine Grenzen stößt
So groß die Überschneidung ist – der VS allein liefert keinen optimalen Nachhaltigkeitsbericht für EcoVadis. An mehreren Stellen geht der EcoVadis-Fragebogen deutlich über das hinaus, was der VS verlangt. Besonders sichtbar wird das bei den Treibhausgasemissionen:
| Abfrage im EcoVadis-Fragebogen | Im VS gefordert? |
|---|---|
| Gesamte Scope-1-Treibhausgasemissionen | Ja |
| Gesamte Scope-2-Treibhausgasemissionen (markt- oder standortbezogen) | Ja |
| Gesamte Scope-3-Treibhausgasemissionen | Freiwillig |
| Gesamte vorgelagerte Scope-3-Treibhausgasemissionen | Nein |
| Gesamte nachgelagerte Scope-3-Treibhausgasemissionen | Nein |
Auch jenseits der Klimadaten verlangt EcoVadis zusätzliche Angaben, die im VS nicht oder nur am Rande vorkommen: Nachweise zur Lieferkette, insbesondere im Themenfeld nachhaltige Beschaffung, konkrete Angaben zu Zielen sowie gegebenenfalls Angaben zur Abdeckung von Zertifikaten und Maßnahmen im Unternehmen. Bei den Umweltthemen fragt EcoVadis zudem stärker produktbezogen und entlang der Scope-3-Kette; im Sozialbereich kommt mit der Kund:innensicherheit ein eigenes Unterthema hinzu, und im Governance-Bereich verlangt EcoVadis zusätzlich Angaben zur Informationssicherheit.
Diese Lücke lässt sich mit einem erweiterten VS-Bericht, häufig als VS+ bezeichnet, gezielt schließen. Während ein Standard-VS-Bericht bereits Punkte für den Berichterstattungsstandard selbst liefert, bringt erst der VS+ zusätzliche Punkte für Angaben zur Lieferkette, für Ziele und Maßnahmen sowie für Angaben zur Abdeckung – also genau die Bereiche, in denen der reine VS kaum über minimale Angaben hinauskommt.
VS und EcoVadis zusammendenken
Um VS und EcoVadis effektiv zu kombinieren, lohnt sich eine gemeinsame Datenbasis. Eine Datenerfassung mit VS- und EcoVadis-relevanten Datenpunkten reduziert Doppelarbeit. Ein weiterer Effizienzhebel liegt in einem integrierten Reporting, das sich aus dieser Datenbasis speist. Besonders ab dem zweiten Berichtsjahr entsteht so ein Vorteil, wenn Vorjahreswerte bereits vorliegen und nur noch fortgeschrieben werden müssen.
Auch ein erweiterter VS-Bericht bildet nicht alle EcoVadis-Nachweise ab. Dokumente wie ein Code of Conduct, einzelne Richtliniendokumente oder Zertifikate müssen weiterhin separat als Nachweise bereitgestellt werden. Wo genau die Überschneidungen liegen, können Unternehmen intern oder mit externer Unterstützung erarbeiten.
Häufige Fragen zu EcoVadis und dem VS
Ersetzt ein fertiger VS-Bericht das Ausfüllen des EcoVadis-Fragebogens?
Nein. Der VS-Bericht dient als wertvolles Nachweisdokument, das im Fragebogen hochgeladen wird. Die spezifischen Fragen im EcoVadis-Portal müssen weiterhin beantwortet und den passenden Kapiteln des Berichts zugeordnet werden.
Reicht ein VS-Bericht aus, um alle 55 Nachweisdokumente bei EcoVadis abzudecken?
Nein. Ein VS-Bericht deckt zwar viele strategische Fragen, Berichterstattungselemente und Kennzahlen ab, ersetzt aber keine spezifischen Nachweise wie ein ISO-Zertifikat, einen Verhaltenskodex (Code of Conduct) oder konkrete Betriebsvereinbarungen.
Ist der VS offiziell bei EcoVadis anerkannt?
Ja. EcoVadis erkennt Berichtsstandards wie den VS, ESRS oder GRI in der Berichterstattung an. Das erhöht die Glaubwürdigkeit und Punktzahl im Managementindikatoren-Bereich „Berichterstattung".
Fazit
Der VS liefert eine solide Datenbasis für EcoVadis, deckt aber nicht alle Anforderungen des Ratings ab. Wenn Unternehmen alle im Nachhaltigkeitsbericht abbildbaren EcoVadis-Daten tatsächlich in den Bericht integrieren, schaffen sie eine belastbare Grundlage für sich selbst und relevante Stakeholder. Außerdem wird es dadurch leichter, effiziente Prozesse für Berichterstattung und Zertifizierung zu etablieren. Wer VS und EcoVadis von Anfang an zusammendenkt, kann sich über mehr Transparenz und einen besser belegten EcoVadis-Score freuen.
Über sustentio
Sustentio begleitet Organisationen auf dem Weg zu echter, gelebter Veränderung. Das interdisziplinäre Team baut wirkungsvolle Nachhaltigkeitsstrategien und -kommunikation auf und hat mit zahlreichen Kund:innen gute EcoVadis-Scores erzielt. Dieser Artikel ist Teil einer Gastartikel-Serie von sustentio zum Thema EcoVadis.


