
EmpCo-Tools im Überblick: 13 Helfer für EmpCo-konforme Werbeaussagen
Welche Tools helfen dir, deine Green Claims vor dem 27. September 2026 zu prüfen? 13 Checks, Scanner und Datenbanken aus dem DACH-Raum im Vergleich – mit klarer Einordnung, was kostenlos ist und was ein Tool nicht leisten kann.
- Ab dem 27. September 2026 gilt die EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825 – in Deutschland umgesetzt über das Dritte Gesetz zur Änderung des UWG (BGBl. 2026 I Nr. 43). Ohne Übergangsfrist, ohne Bestandsschutz.
- Der Markt hat reagiert: Innerhalb weniger Monate sind zahlreiche EmpCo-Checks und Claim-Scanner entstanden. Die meisten bieten eine kostenlose Einstiegsstufe.
- Die Tools unterscheiden sich in drei Kategorien: strukturierte Selbstchecks, automatisierte Claim-Scanner und dauerhafte Management-Software. Für den Anfang brauchst du meist zwei davon.
- Der größte Irrtum: Die meisten Unternehmen scheitern nicht am Wortlaut, sondern an den Nachweisen und daran, dass niemand Claims formal freigibt.
- Kein Tool ersetzt die rechtliche Einzelfallprüfung – das sagen die seriösen Anbieter selbst. Als Triage sind sie trotzdem Gold wert.
Ab dem 27. September 2026 ist Schluss mit vager grüner Werbung. Was genau erlaubt bleibt und was nicht, haben wir in unserem Artikel zur EmpCo-Richtlinie und der EU-FAQ ausführlich aufgeschlüsselt, den großen Überblick zu Fristen, Verbotskatalog und UWG-Umsetzung findest du unter EmpCo-Richtlinie: alles, was du jetzt wissen musst. Dieser Beitrag geht einen Schritt weiter: Er zeigt, mit welchen Werkzeugen du die Umstellung praktisch bewältigst.
Denn die eigentliche Arbeit ist kein juristisches, sondern ein organisatorisches Problem. Umweltaussagen verstecken sich in Produktbeschreibungen, Footer-Texten, alten Kampagnenseiten, Messeflyern und LinkedIn-Posts. Wer 200 Unterseiten manuell durchgeht, ist Wochen beschäftigt – und übersieht trotzdem die Hälfte.
Drei Arten von EmpCo-Tools – und wann du welche brauchst
Bevor du dich durch Anbieterlisten arbeitest, lohnt sich die Frage, was du eigentlich suchst. Die Angebote lassen sich sauber in drei Gruppen einteilen:
| Kategorie | Was es tut | Wann sinnvoll |
|---|---|---|
| Strukturierter Selbstcheck | Fragebogen zu Claims, Nachweisen, Siegeln und Freigabeprozessen; Ergebnis ist ein Reifegrad | Ganz am Anfang: Wo stehen wir überhaupt? |
| Claim-Scanner | Automatisierte Prüfung von Website, Texten, PDFs oder Werbemitteln gegen die Verbotstatbestände | Wenn du den Bestand kennst, aber nicht weißt, wo die Risiken liegen |
| Management-Software | Laufende Verwaltung aller Kommunikationsmittel mit Risikostufe, Version, Nachweisen und Freigabe | Wenn Claims dauerhaft entstehen – also in fast jedem Unternehmen mit aktivem Marketing |
Die meisten Unternehmen kommen mit der Kombination aus Selbstcheck und Scanner in die Gänge. Dauerhaft tragfähig wird es aber erst mit der dritten Kategorie, denn EmpCo ist keine Einmalaufgabe: Jeder neue Flyer, jeder Produkttext und jede Kampagne erzeugt neue Claims. Wie sich solche Werkzeuge in die restliche ESG-Toollandschaft einordnen, zeigt unsere CSR Tool Übersicht.
1. leadity – vom kostenlosen Check zur EmpCo-Software
Kategorie: Selbstcheck + Management-Software · Kostenlos: Check ja, ohne Login · Sitz: Hamburg
Der EmpCo-Check von leadity ist der strukturierteste kostenlose Einstieg, den wir im DACH-Raum gefunden haben. In 19 Fragen und rund vier Minuten bekommst du einen Score von 0 bis 100 – aufgeschlüsselt nach vier Blöcken:
- Block A – Claim-Art und Sensitivität: Welche Arten von Aussagen verwendest du überhaupt?
- Block B – Nachweis und Belegfähigkeit: Kannst du sie belegen, und liegen die Belege greifbar vor?
- Block C – Siegel und Zertifizierung: Nutzt du Labels, und stehen echte Zertifizierungssysteme dahinter?
- Block D – Governance und Freigabe: Wer gibt bei euch Claims frei – und nach welchen Kriterien?
Genau dieser vierte Block macht den Unterschied zu reinen Textprüfern. Denn die typische Lücke im Mittelstand ist nicht die Formulierung, sondern dass der Nachweis irgendwo auf einem Laufwerk liegt und niemand formal zuständig ist. Ein Tool, das nur Wörter prüft, findet dieses Problem nie – und genau daraus entstehen die klassischen Fehler in der Nachhaltigkeitskommunikation.
Kein Login, keine Registrierung für das Ergebnis. Grundlage sind die EmpCo-Richtlinie, der ZNU-Leitfaden und leadity's eigene EmpCo-Checkliste.
Wenn der Check zeigt: Es ist mehr als eine Aufräumaktion
Fällt dein Ergebnis dünn aus – und das tut es bei den meisten – reicht eine einmalige Korrekturrunde nicht. Dann brauchst du eine Stelle, an der alle Kommunikationsmittel mit ihren Claims, Nachweisen und Freigaben zusammenlaufen. Genau dafür hat leadity ein eigenes EmpCo-Modul in seiner ESG-Software gebaut. Der Aufbau folgt der Logik, die auch der Check vorgibt: erst Überblick, dann Bestand, dann laufende Prüfung.
Das Herzstück ist die Verwaltung der Kommunikationsmittel. Jeder Social Post, jede Broschüre und jede Website-Seite liegt dort als eigener Eintrag – mit Typ, Status, Datum der letzten Bewertung, Risikostufe, Anzahl der enthaltenen Claims, Versionsstand und einem Verantwortlichen mit Termin.
Was in der Praxis am meisten spart: die Filter. „Hohes Risiko“, „Website“, „Unvollständig“ – damit arbeitest du die kritischen Fälle zuerst ab, statt dich alphabetisch durch 80 Einträge zu quälen. Der Bearbeitungsstatus zeigt jederzeit, wie viele Kommunikationsmittel noch offen sind. Für die Freigabe im Team gibt es Kommentarfunktionen und Statuswerte wie „Prüfung“ oder „Bearbeitung“ – das ersetzt die E-Mail-Schleifen zwischen Marketing, Nachhaltigkeit und Recht.
Beim Anlegen kannst du Text einfügen, eine URL verknüpfen oder Dateien anhängen – PDF, DOCX, PNG, JPG oder TXT. Alles wird gemeinsam auf Claims geprüft. Interessant ist die Live-Prüfung: Verknüpfte Websites lassen sich regelmäßig automatisch auf neue Claims kontrollieren. Damit fällt es auf, wenn jemand im Marketing einen „klimaneutral“-Baustein wieder einbaut, ohne die Nachhaltigkeitsabteilung zu fragen.
Unser Fazit zu leadity: Der Check ist auch dann sinnvoll, wenn du die Software nie nutzt – er ist schlicht der beste kostenlose Reifegrad-Test. Die Software lohnt sich, sobald mehrere Personen an Claims arbeiten oder du mehr als eine Handvoll Kanäle bespielst.
2. EmpCo Scanner – der schnellste Blick auf den Bestand
Kategorie: Claim-Scanner · Kostenlos: bis 5 Seiten, ohne Login · Sitz: Deutschland
Domain eingeben, Scan starten, Ergebnis lesen. Der EmpCo Scanner prüft Websites, einzelne Texte, hochgeladene PDFs und Werbemittel gegen die Verbotstatbestände der Richtlinie. Bis zu fünf Seiten sind kostenlos, ohne Registrierung.
Geprüft wird auf Per-se-Verbote („klimaneutral“, „umweltfreundlich“), kompensationsbasierte Aussagen, unbelegte Zukunftsversprechen und allgemeine Umweltaussagen. Der kostenpflichtige Report liefert zusätzlich eine Excel-Checkliste mit Status-Tracking – praktisch, wenn mehrere Leute die Korrekturen abarbeiten. Entwickelt wurde das Tool zusammen mit der REIMAGINE 2050 GmbH.
Stärke: Findet die vergessenen Altlasten – Footer-Texte, alte Landingpages, PDF-Downloads aus 2022. Grenze: Sagt dir, wo etwas steht, nicht ob du es belegen kannst.
3. VERDAI – prüfen und direkt umformulieren
Kategorie: Claim-Scanner mit Textvorschlägen · Kostenlos: 7 Tage Testphase · Sitz: Stuttgart
VERDAI erkennt Umweltaussagen automatisch auf Website, in PDFs und Social-Media-Kanälen und bewertet jede einzelne mit einem Transparenz-Score von 0 bis 100. Der eigentliche Mehrwert liegt aber im dritten Schritt: Das Tool schlägt konkrete Umformulierungen vor.
Aus „Nachhaltigkeit ist uns wichtig“ (Score 18) wird „Wir reduzieren unseren CO₂-Fußabdruck jährlich um 15 % und dokumentieren unsere Fortschritte nach GHG Protocol“ (Score 89). Das ist genau die Übersetzungsleistung, an der Marketing-Teams sonst hängenbleiben – sie wissen, dass die alte Formulierung nicht geht, aber nicht, wie die neue klingen soll.
Dazu kommt ein Transparenz-Hub, über den geprüfte Aussagen mit verlinktem Nachweis öffentlich sichtbar gemacht werden können. Für Branchenverbände und Destinationen bietet VERDAI außerdem anonymisierte Benchmark-Studien an.
Stärke: Liefert Lösungen statt nur Befunde. Grenze: Nach sieben Tagen kostenpflichtig.
4. TÜV Rheinland Green Claims Quick-Check – mit offengelegter Bewertungslogik
Kategorie: Selbstcheck · Kostenlos: ja · Sitz: Köln
Der Green Claims Quick-Check von TÜV Rheinland Consulting braucht drei bis fünf Minuten und bewertet auf drei Ebenen: Claim-Sensitivität, Nachweislage und Governance-Reife. Das Ergebnis kommt als Ampel mit drei Stufen, ergänzt um ein ausführliches Begriffs-FAQ.
Was ihn auszeichnet: Die Bewertungslogik ist dokumentiert. Du kannst also nachvollziehen, warum eine Aussage als kritisch gilt – und das intern weiterreichen, ohne auf „das Tool sagt das halt“ ausweichen zu müssen. Ergänzend gibt es ein kostenloses On-Demand-Webinar zu EmpCo und UWG.
5. everwave EmpCo-Check – KI-Audit der ganzen Website
Kategorie: Claim-Scanner · Kostenlos: ja, nach manueller Freigabe · Sitz: Aachen
Der EmpCo-Check von everwave scannt die gesamte Website und sortiert die Funde in vier Risikofelder: vage Aussagen, kompensationsbasierte Klimaneutralität, unsubstanziierte Zukunftsziele und Eigen-Siegel. Ergebnis ist ein PDF-Report mit Ampelsystem.
Bemerkenswert: Der Check ist laut Anbieter vollständig kostenlos für etablierte Unternehmen und Marken – jede Anfrage wird aber manuell freigegeben, damit nur eigene Domains geprüft werden. Das kostet ein paar Tage, ist aber ein Qualitätssignal.
6. Glacier EmpCo Checker – aus Österreich, mit Normbezug
Kategorie: Claim-Scanner · Kostenlos: Sofort-Einschätzung gratis · Sitz: Wien
Der EmpCo Checker von Glacier prüft Websites, Dokumente und Kampagnen und liefert je Befund eine konkrete Maßnahme – mit Verweis auf die einschlägige Norm und die EU-FAQ. Für die erste Einschätzung braucht es nur die URL, kein Setup und keine Kreditkarte.
Für Beratungen interessant: Der Report lässt sich im eigenen Branding ausgeben.
7. Matchilla EmpCo-Check
Kategorie: Selbstcheck · Kostenlos: ja, Registrierung nötig · Sitz: Deutschland
Der EmpCo-Check von Matchilla läuft innerhalb der Matchilla-Plattform und prüft Nachhaltigkeitsaussagen interaktiv. Vollständig kostenlos, allerdings ist eine Plattform-Registrierung erforderlich. Sinnvoll vor allem dann, wenn du die Plattform ohnehin nutzt.
8. empco-check.com
Kategorie: Claim-Scanner · Kostenlos: Testphase
empco-check.com prüft Websites, Dokumente und Marketingaussagen auf EmpCo-Risiken. Kostenloser Einstieg mit Registrierung, danach kostenpflichtig. Funktional nah an VERDAI und Glacier – ein Vergleich der drei lohnt sich, bevor du dich festlegst.
9. EmpCo-Skill für KI-Assistenten – der ungewöhnlichste Ansatz
Kategorie: Redaktionswerkzeug · Kostenlos: ja, ohne Anmeldung
WeShyft stellt einen herunterladbaren EmpCo-Skill bereit: eine einzelne Datei, die deinen KI-Assistenten befähigt, Werbetexte gegen die Richtlinie zu prüfen, jede Umweltaussage per Ampel zu bewerten und Umformulierungen vorzuschlagen.
Der Charme liegt in der Anwendung: Statt einer Einmalprüfung am Ende wird EmpCo Teil des Schreibprozesses. Wer ohnehin mit KI textet, prüft jeden Entwurf direkt beim Entstehen. Das ist näher an der Realität eines Marketing-Teams als jedes Audit. Wenn du den gleichen Effekt ohne zusätzliches Tool willst, helfen unsere 10 EmpCo KI-Prompts zur Umsetzung der Richtlinie.
Voraussetzung ist ein entsprechender KI-Assistent. Wie wir bei CSR Tools mit dieser Art von Werkzeugen arbeiten, haben wir am Beispiel unserer eigenen Website hier beschrieben.
10.–11. Siegel prüfen: Siegelklarheit und LABEL-ONLINE
Kategorie: Datenbank · Kostenlos: ja, ohne Registrierung
Der am häufigsten übersehene Punkt der ganzen Regelung: Ein Nachhaltigkeitssiegel ist nur noch zulässig, wenn ein echtes Zertifizierungssystem dahintersteht – mit transparenten Kriterien und, laut aktualisierter EU-FAQ, rechtlich getrennten Einheiten für Systeminhaber und Prüfstelle. Selbst gestaltete Logos und interne „Green Awards“ fallen komplett heraus.
Zwei kostenlose Datenbanken helfen bei der Bewertung:
- Siegelklarheit – betrieben von der Verbraucherzentrale NRW, gefördert vom BMZ. Bewertet Siegel nach Anspruchsniveau und Glaubwürdigkeit, mit den Prädikaten „Gute Wahl“ und „Sehr gute Wahl“. Schwerpunkte: Mode und Textil, Multimedia, Haushalt, Bauen und Wohnen.
- LABEL-ONLINE – von der Verbraucher Initiative e. V., die größte deutsche Label-Datenbank. Erklärt zusätzlich die Label-Typen und macht sichtbar, wo ein vermeintliches Prüfsiegel in Wahrheit ein reines Marketinglabel ist.
Ausdrücklich privilegiert sind das EU-Ecolabel und Typ-I-Umweltzeichen nach EN ISO 14024, etwa der Blaue Engel. Warum Siegel überhaupt so schnell zum Greenwashing-Vorwurf führen, zeigt unsere Green-Claims-Checkliste.
12.–13. Die offiziellen Quellen – kostenlos und ohne Verkaufsinteresse
Kein Tool, aber die Grundlage für alle Tools:
- Q&A der EU-Kommission zur EmpCo-Richtlinie – die einzige belastbare Auslegungshilfe, Stand Juni 2026. Nicht rechtsverbindlich, aber von Gerichten und Behörden herangezogen. Nur auf Englisch verfügbar.
- Fachbeitrag des Bayerischen Landesamts für Umwelt – die beste deutschsprachige Behördenzusammenfassung: Verbotsliste, neue Informationspflichten, Zulässigkeitsbeispiele, alle Primärquellen verlinkt.
Dazu zwei Quellen, die du dir für die kommenden Monate auf die Beobachtungsliste setzen solltest: die Themenseite der Wettbewerbszentrale – hier siehst du als Erstes, wer abgemahnt wird und wo die Grenzen in der Praxis verlaufen – und das Dritte Gesetz zur Änderung des UWG im Bundesgesetzblatt, also den Gesetzestext, der in Deutschland tatsächlich gilt.
Kostenlose Leitfäden und Checklisten
Wenn du lieber liest als klickst, sind diese fünf Dokumente ihre Zeit wert:
| Dokument | Herausgeber | Zugang |
|---|---|---|
| EmpCo-Checkliste | CSR Tools | kostenloser Download, ohne Kaufabschluss |
| Handlungsleitfaden EmpCo | Deutsche Zentrale für Tourismus | Direktdownload, kein Formular |
| Checkliste EmpCo-Richtlinie | Mittelstand-Digital Zentrum Tourismus (BMWE-gefördert) | frei zugänglich |
| FAQ Umweltwerbung unter EmpCo und UWG | Bundesverband Druck und Medien | Infoseite frei, Volldokument für Mitglieder |
| EmpCo-Pflichten und Quick Check | intep (DACH/Schweiz) | frei zugänglich |
Unsere eigene EmpCo-Checkliste führt dich Schritt für Schritt durch Claim-Inventur, Nachweisprüfung, Siegel-Check und Freigabeprozess – sie ist also genau die Arbeitsliste, die du nach einem Scan brauchst. Beide Tourismus-Dokumente sind zwar branchenspezifisch beschriftet, methodisch aber allgemein nutzbar – gerade der DZT-Leitfaden ist eines der wenigen wirklich umfangreichen deutschsprachigen PDFs ohne Lead-Gate.
Von der Claim-Inventur bis zum Freigabeprozess: Die Checkliste führt dich durch alle Prüfschritte, die dir kein Scanner abnimmt.
Der Vergleich auf einen Blick
| Tool | Kategorie | Kostenlos | Registrierung | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| leadity EmpCo-Check | Selbstcheck | ja | nein | 19 Fragen, 4 Blöcke inkl. Governance |
| leadity EmpCo-Software | Management | nein | ja | Portfolio, Versionen, Live-Prüfung |
| EmpCo Scanner | Scanner | bis 5 Seiten | nein | Website, Text, PDF, Werbemittel |
| VERDAI | Scanner | 7 Tage | ja | Umformulierungsvorschläge |
| TÜV Rheinland Quick-Check | Selbstcheck | ja | nein | offengelegte Bewertungslogik |
| everwave EmpCo-Check | Scanner | ja | manuelle Freigabe | PDF-Ampelreport |
| Glacier EmpCo Checker | Scanner | Erstcheck | nein | Normbezug, White-Label |
| Matchilla | Selbstcheck | ja | ja | in Plattform integriert |
| empco-check.com | Scanner | Testphase | ja | Website und Dokumente |
| WeShyft EmpCo-Skill | Redaktion | ja | nein | prüft beim Schreiben |
| Siegelklarheit | Datenbank | ja | nein | behördlich gestützt |
| LABEL-ONLINE | Datenbank | ja | nein | größte Label-Datenbank |
| EU-Kommissions-FAQ | Quelle | ja | nein | maßgebliche Auslegung |
Was ein Tool nicht leisten kann
Drei Grenzen solltest du kennen, bevor du dich auf ein Ergebnis verlässt:
Alle seriösen Anbieter schreiben das selbst in ihre FAQ. Ob eine Aussage irreführend ist, entscheidet sich aus Sicht eines durchschnittlich informierten Verbrauchers im konkreten Kontext – und darüber urteilen am Ende Gerichte, nicht Algorithmen.
Tools finden Wörter, keine fehlenden Nachweise. Ein Scanner kann nicht wissen, ob hinter „30 % weniger CO₂“ eine belastbare Berechnung steht oder eine Schätzung aus 2019. Diese Lücke schließt nur ein strukturierter Nachweisprozess.
Bilder und Namen bleiben Auslegungssache. Grüne Blätter, Naturmotive und Produktnamen mit „Eco“ können je nach Kontext Umweltaussagen sein. Automatisierte Prüfungen tun sich damit schwer – hier brauchst du menschliches Urteil. Wenn du diesen Blick von außen brauchst, ist unser Kommunikations-Check Nachhaltigkeit der passende nächste Schritt.
So gehst du vor: fünf Schritte
- Reifegrad bestimmen. Ein strukturierter Selbstcheck zeigt dir in wenigen Minuten, ob du ein Formulierungs- oder ein Nachweisproblem hast. Das entscheidet über alles Weitere.
- Bestand scannen. Website, PDFs, Kataloge und Social-Media-Kanäle automatisiert durchsuchen. Ziel ist eine vollständige Liste aller Umweltaussagen – nicht deren Bewertung.
- Harte Verbote sofort entfernen. Kompensationsbasierte Klimaneutralität, pauschale Begriffe ohne Erläuterung, Eigen-Siegel. Das ist der schnellste Risikoabbau und kostet keine Diskussion.
- Siegel prüfen. Jedes verwendete Label gegen Siegelklarheit oder LABEL-ONLINE abgleichen. Was kein Zertifizierungssystem hat, kommt raus.
- Prozess etablieren. Nachweise an einem Ort ablegen, Verantwortlichkeiten festlegen, Freigabe definieren. Sonst wiederholst du die Aufräumaktion in zwölf Monaten.
Die ersten vier Schritte schaffst du in ein bis zwei Wochen. Der fünfte entscheidet darüber, ob es dabei bleibt – und ist zugleich der Punkt, an dem aus Pflichterfüllung gute Nachhaltigkeitskommunikation wird.
Häufige Fragen zu EmpCo-Tools
Reicht ein kostenloses Tool aus?
Für die Bestandsaufnahme ja. Die kostenlosen Checks und Scanner zeigen dir zuverlässig, wo kritische Aussagen stehen und wie reif deine Prozesse sind. Für die dauerhafte Verwaltung vieler Kommunikationsmittel und die Dokumentation von Nachweisen stoßen sie an Grenzen – dort beginnt der Bereich der Management-Software.
Ersetzt ein EmpCo-Tool die Rechtsberatung?
Nein, und kein seriöser Anbieter behauptet das. Die Tools priorisieren Risiken und sparen dir den größten Teil der Suchzeit. Bei konkretem Abmahnrisiko, strittigen Formulierungen oder Bilddarstellungen brauchst du eine anwaltliche Einschätzung.
Gilt EmpCo auch im B2B?
Die EmpCo-Richtlinie stammt aus dem Verbraucherschutzrecht und zielt auf Geschäftspraktiken gegenüber Endverbrauchern. Im reinen B2B greift der neue Verbotskatalog nicht unmittelbar. Das Irreführungsverbot des § 5 UWG gilt dort aber unverändert – und Kunden übernehmen die EmpCo-Kriterien zunehmend in ihre Lieferantenanforderungen.
Was ist mit der Green Claims Directive?
Sie ist entgegen vieler Meldungen nicht formell zurückgezogen, sondern liegt auf Eis; die Kommission führt den Vorschlag weiterhin als anhängig. Sie hätte die konkreten Substanziierungskriterien gebracht – die fehlen also weiterhin. Was gilt, ist EmpCo über das UWG. Den Stand der Dinge haben wir in unserer Green-Claims-Checkliste zusammengefasst.
Welches Tool sollte ich zuerst nutzen?
Starte mit einem Selbstcheck, nicht mit einem Scanner. Ein Scanner liefert dir eine Liste von Fundstellen, bevor du weißt, ob du sie überhaupt belegen kannst – das führt zu Aktionismus an der Oberfläche. Der Reifegrad zuerst, der Bestand danach.
Fazit
Der Werkzeugkasten für EmpCo ist in den vergangenen Monaten erstaunlich gut geworden. Zwischen kostenlosen Selbstchecks, KI-gestützten Scannern und offiziellen Behördenquellen findet jedes Unternehmen einen Einstieg – unabhängig von Größe und Budget.
Entscheidend ist, die Werkzeuge in der richtigen Reihenfolge einzusetzen: erst verstehen, wo du stehst, dann den Bestand durchleuchten, dann die harten Verbote entfernen. Und danach das Wichtigste: einen Prozess aufsetzen, damit nicht bei der nächsten Kampagne wieder „klimaneutral“ auf dem Flyer landet.
EmpCo ist am Ende kein Textproblem, sondern ein Nachweisproblem. Die Aussagen sind an einem Nachmittag umgeschrieben. Die Belege dahinter aufzubauen, dauert Monate – und genau dafür lohnt sich ein Werkzeug, das nicht nur Wörter zählt.
leadity unterstützt CSR Tools als Partner. Die Auswahl, Reihenfolge und Bewertung der übrigen Tools erfolgte redaktionell unabhängig; alle genannten Angebote wurden von uns geprüft.
Quellen und weiterführende Links
- Richtlinie (EU) 2024/825 im EU-Amtsblatt
- Drittes Gesetz zur Änderung des UWG, BGBl. 2026 I Nr. 43
- FAQ der EU-Kommission zur EmpCo-Richtlinie (PDF)
- Bayerisches Landesamt für Umwelt: EmpCo-Richtlinie
- Wettbewerbszentrale: Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit
- EmpCo-Richtlinie und die neue EU-FAQ: Welche grünen Werbeaussagen erlaubt bleiben
- EmpCo-Richtlinie: alles, was du jetzt wissen musst
- Überblick Nachhaltigkeitskommunikation: von der Pflicht zur Kür
- Nachhaltigkeitskommunikation bei CSR Tools

