
Warum der Chief Sustainability Officer jetzt zum Gamechanger wird
Chief Sustainability Officer: Wie CSOs ESG nutzen, um Unternehmenswert zu steigern, Wachstum zu sichern und Wettbewerbsvorteile aufzubauen.
- Unternehmen mit Chief Sustainability Officer (CSO) schneiden in ESG-Ratings deutlich besser ab. Entscheidend ist jedoch die Mandatstiefe, nicht nur der Titel.
- Die Rolle entwickelt sich vom Compliance-orientierten Berichterstatter zum strategischen Architekten, der ESG in Strategie, Finanzen und Innovation integriert.
- Mit wachsender ESG-Reife verlagert sich Verantwortung in die Fachbereiche; der CSO bleibt aber als zentraler Enabler und Brückenbauer unverzichtbar.
- Erfolgreiche CSOs kombinieren Nachhaltigkeitsexpertise mit Business-Know-how und haben direkten Zugang zum Vorstand.
- Studien zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen CSO-Präsenz und Unternehmenserfolg, doch handelt es sich eher um Korrelationen als um eindeutige Kausalität.
Nachhaltigkeit hat sich in den letzten Jahren von einer Randnotiz zu einem zentralen Bestandteil von Unternehmensstrategien entwickelt. Regulatorische Anforderungen wie die CSRD, steigende Erwartungen von Investor:innen und Kund:innen sowie der Druck von Mitarbeitenden machen ESG zu einem Thema, das über Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsposition entscheidet.
In dieser Dynamik gewinnt eine Rolle massiv an Bedeutung: die des Chief Sustainability Officers (CSO). Die Studie des Beratungsunternehmen Strategy& zeigt eindrücklich, dass Unternehmen mit einem starken CSO in ESG-Ratings deutlich besser abschneiden. Trotzdem bleibt die Rolle oft unterschätzt oder organisatorisch so verortet, dass sie ihr Potenzial nicht entfalten kann.
Erkenntnisse zur Rolle des Chief Sustainability Officer aus der Studie
Die Strategy& Studie hat 1.640 börsennotierte Unternehmen untersucht mit aufschlussreichen Ergebnissen:
- Mehr CSOs als je zuvor: Allein in den Jahren 2020/21 wurden so viele CSOs ernannt wie in den acht Jahren davor zusammen. Insgesamt haben ca. 80 % der Unternehmen einen mehr oder weniger formellen Chief Sustainability Officer.
- Bessere ESG-Performance: 98 % der Unternehmen mit Top-Sustainability-Ratings (A bei Refinitiv) hatten ein:e CSO oder vergleichbare Funktion.
- Aber viele „Light"-Rollen: Knapp die Hälfte der CSOs agiert ohne echten Einfluss. Häufig zwei oder mehr Hierarchieebenen unterhalb des Vorstands und keinen Zugang zu Board bzw. Aufsichtsrat.
- Branchendifferenzen: Konsumgüter- und Chemieunternehmen setzen häufiger auf formale CSOs, während in Engineering oder E-Commerce die Quote sehr niedrig ist.
Das zeigt: Der Titel allein reicht nicht, entscheidend ist das Mandat und die organisatorische Verankerung.
Wie verändert sich die Rolle des Chief Sustainability Officer?
Früher war Nachhaltigkeit oft im Bereich CSR, HSE oder Kommunikation angesiedelt mit Fokus auf Reputationsschutz, Risikovermeidung und Reporting. Heute erwarten Stakeholder deutlich mehr:
- Strategie-Verknüpfung: Die Nachhaltigkeitsstrategie muss mit der Unternehmensstrategie verbunden werden und ESG-Ziele sollten verankert sein.
- Finanzrelevanz: ESG-Kennzahlen fließen in Pricing, Investitionsentscheidungen und Risikomanagement (z.b. via Klimarisikoanalyse oder doppelte Wesentlichkeitsanalyse) ein.
- Innovationstreiber: Nachhaltigkeit eröffnet neue Märkte und Geschäftschancen.
Damit rückt der Chief Sustainability Manager aus der „Nebenrolle" in die Mitte des Geschäftsmodells. Erfolgreiche CSOs agieren als Architekten des Wandels. Sie verstehen die Komplexität von ESG, priorisieren und übersetzen sie in konkrete Business Cases.
Wo steht der CSO im Governance & Operating Model der Zukunft?
Zu Beginn einer ESG-Reise sind zentrale Nachhaltigkeitsteams wichtig: Sie bündeln Fachwissen, sichern die Compliance und treiben Bewusstsein. Doch je reifer eine Organisation wird, desto mehr verschiebt sich die Nachhaltigkeitsverantwortung hin zu den Fach- und Geschäftsbereichen. Wenn die ersten „Quick Wins" ausgeschöpft sind, erfordert die Weiterentwicklung tiefes Fachwissen und Nähe zum operativen Geschäft. Deshalb verlagern viele Unternehmen Verantwortung für die Umsetzung Schritt für Schritt in die einzelnen Fachbereiche.
- Finance integriert ESG-Risiken in KPIs und Reporting.
- HR entwickelt nachhaltige Arbeitsmodelle und Purpose-orientierte Employer Brands.
- Beschaffung treibt Lieferketten-Transparenz und Scope-3-Emissionen.
- Sales & Marketing positionieren nachhaltige Produkte glaubwürdig am Markt.
Nachhaltigkeit ist wie Digitalisierung: Sie betrifft Alle!
Gleichzeitig bleibt eine zentrale Nachhaltigkeitseinheit relevant. Sie sorgt für strategische Orientierung, setzt gemeinsame Standards, orchestriert die Nachhaltigkeitsberichterstellung sowie das Datenmanagement und blickt über den Tellerrand. Gerade weil die operativen Einheiten im Tagesgeschäft stark ausgelastet sind, fehlt dort oft die Kapazität, Trends, Risiken und Chancen frühzeitig zu erkennen.
Der Chief Sustainability Officer bleibt dabei das Bindeglied: ein strategischer Enabler mit direktem Draht zum Vorstand, der die Gesamtarchitektur zusammenhält und das Unternehmen frühzeitig auf neue Trends und Risiken vorbereitet.
Was muss ein moderner Chief Sustainability Officer mitbringen?
Die Studie zeigt, dass die erfolgreichsten obersten Nachhaltigkeitsverantwortlichen eine Mischung aus Nachhaltigkeitsexpertise und Business-Know-how vereinen. Rund ein Drittel kommt aus klassischen Sustainability-Abteilungen, weitere 30 % aus Strategie, Beratung oder operativen Geschäftsbereichen.
Entscheidend ist die Fähigkeit, Brücken zu schlagen: zwischen Technik und Strategie, zwischen Reporting und Innovation, zwischen Compliance und Wertschöpfung.

Strategy& Studie: Empowered Chief Sustainability Officers

5 Fragen an den eigenen Chief Sustainability Officer
- Board-Anbindung: Hat Nachhaltigkeit direkten Zugang zur Unternehmensführung?
- Integration: In welchen Prozessen ist ESG schon verankert, wo gibt es Lücken?
- Wertschöpfung: Können wir klar benennen, wie Nachhaltigkeit unser Geschäftsmodell stärkt?
- Stakeholder-Kompetenz: Sind Investor:innen, Kund:innen, Mitarbeitende und Regulator:innen systematisch eingebunden?
- Skill-Set: Verfügt das Team über die richtige Kombination aus Fachwissen und unternehmerischer Erfahrung?
Diese Fragen helfen, den Reifegrad der eigenen ESG-Governance einzuschätzen und zeigen schnell, ob der CSO eine echte Transformationsrolle einnimmt oder in einer Nebenrolle verharrt.
Sind Unternehmen mit einem Chief Sustainability Officer erfolgreicher?
Das die Investition in ESG für Unternehmen ein Business Case ist, konnte bereits in mehreren Studien nachgewiesen werden. Aber ist ein CSO ein kritischer Erfolgsfaktor? In ihrem Paper als Teil der Masterarbeit zu dem Thema "Do chief sustainability officers impact firm value" kommt Julia Winkelmann zu dem Schluss:
Die Bestellung eines Chief Sustainability Officers hat einen positiven Effekt auf den Unternehmenswert, allerdings ist dieser statistisch nicht signifikant.
Ein Blick auf die Strategy& Studie zeigt zudem einen klaren Zusammenhang zwischen Unternehmensgröße und Verbreitung von CSO-Rollen: Je höher der Umsatz, desto häufiger ist die Funktion besetzt. Während in kleineren Firmen (unter 1 Mrd. USD Umsatz) mehr als die Hälfte ganz ohne CSO auskommt, verfügen in der Umsatzklasse über 200 Mrd. USD bereits mehr als die Hälfte über eine aktive CSO-Rolle.
Wichtig ist jedoch die Einordnung: Diese Daten zeigen eine Korrelation, keine Kausalität. Es lässt sich also nicht eindeutig sagen, ob größere Unternehmen tendenziell eher einen CSO ernennen oder ob Unternehmen mit starker Nachhaltigkeitsführung langfristig erfolgreicher wachsen. Sicher ist nur: Mit zunehmender Unternehmensgröße und Komplexität steigt auch die Notwendigkeit, Nachhaltigkeit professionell auf höchster Ebene zu steuern.

Strategy& Studie: Empowered Chief Sustainability Officers
Fazit: Der Chief Sustainability Officer als Schlüssel zur Transformation
Die Rolle des Chief Sustainability Officer steht exemplarisch für den Wandel, den ESG in Unternehmen auslöst. Richtig verankert, kann sie zum Motor für Innovation, Resilienz und Zukunftsfähigkeit werden. Fehlpositioniert, bleibt sie hingegen im Reporting (z.B. ESRS, GRI oder VSME) stecken und verschenkt Potenzial.
Den CSO als strategischen Hebel zu verstehen, zahlt sich aus. Wer die Rolle mit Mandat, Kompetenzen und klarer Governance ausstattet, gewinnt Vertrauen bei Investor:innen und Kund:innen und stärkt langfristig die Wettbewerbsposition im Markt.
Mit dem Wesentlichkeitsanalyse-Template arbeitest du die wesentlichen ESG-Themen für dein Unternehmen systematisch heraus und legst die Basis für einen CSRD-konformen Bericht.
Häufige Fragen zum Chief Sustainability Officer
Was macht ein Chief Sustainability Officer konkret?
Ein CSO verantwortet die ESG-Strategie eines Unternehmens und sorgt dafür, dass Nachhaltigkeitsziele in alle relevanten Geschäftsbereiche integriert werden. Dazu gehören die doppelte Wesentlichkeitsanalyse, die Steuerung des Nachhaltigkeitsreportings sowie die Schnittstelle zum Vorstand und zu externen Stakeholdern.
Braucht mein Unternehmen zwingend einen CSO?
Nicht zwingend. Entscheidend ist, dass Nachhaltigkeit mit klarem Mandat und ausreichend Ressourcen gesteuert wird. Für kleinere Unternehmen kann das auch eine Teilzeitrolle oder ein dediziertes Nachhaltigkeitsteam sein. Je größer und regulierter das Unternehmen, desto wichtiger wird eine eigenständige CSO-Funktion.
Welchen Hintergrund haben erfolgreiche CSOs typischerweise?
Laut Strategy& Studie kommt rund ein Drittel der erfolgreichsten CSOs aus klassischen Sustainability-Abteilungen, weitere 30 % aus Strategie, Beratung oder operativen Bereichen. Wichtiger als der Hintergrund ist die Fähigkeit, Nachhaltigkeitsexpertise mit Business-Denken zu verbinden.
Wie hängen CSO-Präsenz und CSRD-Berichtspflicht zusammen?
Die CSRD erhöht den Druck auf Unternehmen, Nachhaltigkeit strukturiert zu berichten. Ein gut aufgestellter CSO erleichtert die Umsetzung erheblich: Er koordiniert die Datenerhebung über Fachbereiche hinweg, steuert die ESG-Reporting-Prozesse und sorgt dafür, dass Nachhaltigkeitsinformationen belastbar und prüfbar sind.


