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Der VSME-Standard: Warum er an Bedeutung gewinnt

Der VSME-Standard: Warum er an Bedeutung gewinnt

Die Omnibus-Initiative lockert CSRD-Pflichten – der VSME-Standard wird zur Alternative. Erfahre, wie Unternehmen ihn jetzt nutzen können.

Zuletzt geändert am: 23. Mai 2026
Kurz & kompakt
  • Das Omnibus-Paket verschlankt die CSRD deutlich. Berichtspflichtig sind nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. € Nettoumsatz.
  • Für viele KMU und kleinere Unternehmen entfällt damit die CSRD-Pflicht. Stakeholder erwarten trotzdem belastbare ESG-Daten.
  • Der VSME-Standard ist die schlanke, freiwillige Alternative: zwei Module, rund 20 Überpunkte, keine doppelte Wesentlichkeitsanalyse nötig.
  • Aus dem VSME wird der breitere VS (Voluntary Standard). Er gilt künftig auch für Nicht-KMU unterhalb der CSRD-Schwellen.
  • Wer den VSME jetzt nutzt, baut früh eine ESG-Strategie auf und ist für künftige Anforderungen gerüstet.

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sehen sich mit hohen bürokratischen Hürden konfrontiert, wenn es um die Erfüllung der neuen Nachhaltigkeitsberichtsanforderungen geht. Die Omnibus-Initiative wurde ins Leben gerufen, um die Umsetzung der CSRD zu vereinfachen. Mit der Verschlankung der CSRD werden viele Unternehmen von der Berichtspflicht entlastet. Da Nachhaltigkeitsberichterstattung aber weiterhin bedeutend auch für KMUs ist, rückt nun der VSME-Standard (Voluntary standard for non-listed micro-, small- and medium-sized undertakings) in den Fokus, der als pragmatische Alternative für kleinere Unternehmen entwickelt wurde.

Was ist der VSME-Standard?

Der VSME-Standard wurde speziell für kleinere Unternehmen entwickelt, um die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung auf ein praktikables Maß zu reduzieren. Die CSRD bringt umfassende Berichtspflichten und detaillierte Offenlegungsvorgaben mit sich. Der VSME-Standard setzt dagegen auf eine vereinfachte, aber dennoch aussagekräftige Berichtsstruktur.

Im Dezember 2024 wurde der Standard geupdated und nochmal vereinfacht. Im Vergleich zu den umfassenden Anforderungen der European Sustainability Reporting Standards (ESRS), die über 1.000 Datenpunkte umfassen, reduziert der VSME-Standard den administrativen Aufwand erheblich. Er enthält nur zwei Module mit 20 zu berichtenden Überpunkten. Eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse ist nicht nötig.

Aus VSME wird VS (Voluntary Standard)

Der freiwillige Standard wird ausgeweitet und künftig als VS (Voluntary Standard) geführt. Grundlage bleibt der VSME mit nur kleinen inhaltlichen Anpassungen. Die Ausweitung soll später 2026 über einen delegierten Rechtsakt kommen.

Neu ist vor allem der Anwendungskreis. Der VS richtet sich künftig auch an Nicht-KMU mit weniger als 1.000 Beschäftigten (bzw. unter 450 Mio. € Umsatz) außerhalb des CSRD-Pflichtbereichs. Zusätzlich gilt ein Value-Chain-Cap: CSRD-pflichtige Unternehmen dürfen von Wertschöpfungspartnern mit bis zu 1.000 Beschäftigten keine Informationen verlangen, die über den freiwilligen Standard hinausgehen.

Die Omnibus-Initiative als Treiber der CSRD-Verschlankung

Die Omnibus-Initiative der EU ist eine Reaktion auf die Kritik, dass die ursprünglichen Vorgaben der CSRD insbesondere kleinere Unternehmen übermäßig belasten. Ziel dieser Initiative ist es, bürokratische Hürden abzubauen, den Berichterstattungsaufwand zu reduzieren und realistische Anforderungen für KMUs zu schaffen. Das Omnibus-Paket ist inzwischen beschlossen und seit dem 18. März 2026 in Kraft.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

BereichWas sich ändert
AnwendungsbereichBerichtspflichtig sind nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. € Nettoumsatz. Beide Kriterien gelten kumulativ. Das reduziert den Kreis der Berichtspflichtigen massiv.
Spätere BerichtspflichtenDie Anwendungsfristen verschieben sich. Viele bislang erfasste Unternehmen fallen ganz aus dem Pflichtbereich.
Weniger DatenpunkteDeutlich weniger Datenpunkte, keine sektorbezogenen Standards, Begrenzung der Lieferketten-Berichtspflicht.
Keine strengere PrüfungDie geplante Reasonable Assurance entfällt, es bleibt bei Limited Assurance.
EU-Taxonomie vereinfachtOpEx-Berichtspflicht nur bei mindestens 25 % taxonomiefähigem Umsatz, mit Materialitätsgrenze und freiwilliger Berichterstattung.
CSDDD-LockerungenSorgfaltspflichten nur für direkte Geschäftspartner, keine EU-weite Haftung, Überprüfungen nur alle fünf Jahre.
Vereinfachte ESRS in Arbeit

Die EU-Kommission hat am 6. Mai 2026 einen Entwurf vereinfachter ESRS zur Konsultation gestellt. Die Feedback-Frist lief bis zum 3. Juni 2026. Geplant ist eine Reduktion der Pflicht-Datenpunkte um über 60 % und der Datenpunkte insgesamt um über 70 %. Die Berichtskosten je Unternehmen sollen um über 30 % sinken. Dazu kommen eine vereinfachte Wesentlichkeitsanalyse und neue Flexibilitäten.

Warum der VSME-Standard jetzt an Bedeutung gewinnt

Die Omnibus-Initiative stellt viele Unternehmen vor eine unklare Zukunft. Noch ist die CSRD nicht in deutsches Recht umgesetzt. Das nationale CSRD-Umsetzungsgesetz steckt im parlamentarischen Verfahren, eine öffentliche Anhörung fand am 10. April 2026 statt. Mit dem Inkrafttreten wird im Laufe 2026 gerechnet. Durch die neuen Schwellenwerte entfällt für den Großteil der Unternehmen die Berichtspflicht. Gleichzeitig erwarten Investoren, Kunden und andere Stakeholder weiterhin klare ESG Daten. Dadurch wird für viele Unternehmen der VSME-Standard interessant. Unternehmen, die von den neuen Anforderungen der CSRD nicht direkt betroffen sind, können durch den VSME-Standard mit reduziertem Aufwand einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen, der für ihre Stakeholder von großem Interesse ist.

Der VSME-Standard ermöglicht es Unternehmen außerdem, frühzeitig eine ESG-Strategie zu entwickeln und die erforderlichen Daten zu erheben. So sind sie für zukünftige Berichterstattungsanforderungen gut gerüstet, auch wenn die Rechtslage momentan noch unklar ist.

Der VSME-Standard ist eine proaktive Maßnahme zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen, die frühzeitig ihre ESG-Transparenz verbessern, positionieren sich als verantwortungsbewusste Akteure und können von einem positiven Ruf in der Branche profitieren. Der Standard könnte so zum go-to Nachhaltigkeits-Standard neben der umfassenden CSRD werden. Mit der Ausweitung zum VS gilt das künftig auch für viele größere Unternehmen unterhalb der CSRD-Schwellen.

Unternehmen, die jetzt proaktiv auf eine freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung setzen, können sich trotz der unsicheren Rechtslage bestmöglich für die Zukunft positionieren.

Praktische Umsetzung des VSME-Standards für Unternehmen

Die Einführung des VSME-Standards erfordert eine strukturierte Vorgehensweise, um sicherzustellen, dass Unternehmen effizient und ohne unnötigen Aufwand einen aussagekräftigen Nachhaltigkeitsbericht erstellen können. Nachfolgend eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Implementierung des VSME-Standards.

1. Verständnis des VSME-Standards und interne Verantwortlichkeiten klären

Bevor ein Unternehmen mit der Berichterstattung beginnt, sollte es sich mit den Anforderungen des VSME-Standards vertraut machen:

  • Welche Themen und Kennzahlen müssen erfasst werden?
  • Welche internen Abteilungen sind für die Datenerhebung verantwortlich?
  • Gibt es bereits vorhandene ESG-Daten, die genutzt werden können?

Ein klarer Verantwortlicher (z. B. Nachhaltigkeitsbeauftragter, Controlling oder Geschäftsführung) sollte bestimmt werden, um den Prozess zu koordinieren. Falls Ihrem Unternehmen hier Expertise fehlt, können Sie auf unseren praxisorientierten VSME-Workshop zurückgreifen, der das nötige Know-How und effiziente Werkzeuge für eine erfolgreiche Berichterstellung vermittelt.

2. Bestandsaufnahme und Datenanalyse durchführen

Um festzustellen, welche Informationen für den Bericht benötigt werden, sollte eine Bestandsaufnahme erfolgen:

  • Welche ESG-Daten werden bereits erhoben (z. B. Energieverbrauch, CO₂-Emissionen, soziale Verantwortung)?
  • Welche Lücken bestehen noch?
  • Woher können fehlende Daten bezogen werden (z. B. Lieferanten, externe Berater)?

Diese Analyse hilft dabei, einen realistischen Plan für die Datenerhebung zu erstellen.

3. Nachhaltigkeitsstrategie und Maßnahmen definieren

Der VSME-Standard geht über reine Berichterstattung hinaus und bietet Unternehmen die Möglichkeit, eine fundierte ESG-Strategie zu entwickeln. Unternehmen sollten sich fragen:

  • Welche Nachhaltigkeitsziele möchten wir langfristig verfolgen?
  • Welche Maßnahmen können wir ergreifen, um unsere ESG-Performance zu verbessern?
  • Gibt es bereits bestehende Initiativen, die in den Bericht aufgenommen werden können?

Eine klare Strategie hilft bei der Berichterstattung und dabei, sich im Wettbewerb positiv zu positionieren. Gerade jetzt, wo viele Unternehmen voraussichtlich nicht mehr von der CSRD betroffen sind, können Ressourcen in konkrete Nachhaltigkeitsmaßnahmen fließen.

4. Berichtserstellung mit dem VSME-Template

Um den Berichterstattungsprozess zu vereinfachen, können Unternehmen das VSME-Template nutzen. Das bietet folgende Vorteile:

  • Strukturierte Berichtsvorlage, die nur noch mit den eigenen Daten ausgefüllt werden muss
  • Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Befüllung
  • Effiziente Berichterstellung ohne große externe Beratung
ESRS VSME Berichtsvorlage

Vorlage eines CSRD-konformen VSME-Nachhaltigkeitsberichts im Word-Format zum selbstständigen Befüllen, inklusive Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Tipps.

Mehr erfahren

Fazit

Der VSME-Standard ist eine praxisnahe, ressourcenschonende und dennoch transparente Alternative zur umfangreichen CSRD-Berichterstattung. Insbesondere für kleinere Unternehmen bietet er eine Möglichkeit, Nachhaltigkeitsanforderungen zu erfüllen, auch wenn durch die Omnibus-Initiative gerade viel Unsicherheit herrscht. Mit der Ausweitung zum VS gewinnt er zusätzlich an Reichweite.

Mit unserem VSME-Template haben Unternehmen die Möglichkeit, den Standard direkt anzuwenden und einen strukturierten Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen. Unternehmen, die sich frühzeitig mit dem VSME-Standard auseinandersetzen, positionieren sich als verantwortungsbewusste Akteure in der nachhaltigen Wirtschaft und sind auch für zukünftige Berichterstattungsrichtlinien gewappnet.

Häufige Fragen zum VSME-Standard

Für wen ist der VSME-Standard gedacht?

Der VSME-Standard wurde für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt, die freiwillig einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen wollen. Mit der Ausweitung zum VS (Voluntary Standard) richtet er sich künftig auch an Nicht-KMU mit weniger als 1.000 Beschäftigten außerhalb des CSRD-Pflichtbereichs.

Wer ist nach den neuen Schwellenwerten noch CSRD-pflichtig?

Seit dem 18. März 2026 sind nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. € Nettoumsatz berichtspflichtig. Beide Kriterien gelten kumulativ. Für viele KMU und kleinere Unternehmen entfällt die Pflicht damit, sodass der freiwillige VSME-Standard interessant wird.

Ist für den VSME-Standard eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse nötig?

Nein. Der VSME-Standard verzichtet auf die doppelte Wesentlichkeitsanalyse. Er umfasst nur zwei Module mit rund 20 Überpunkten und reduziert den administrativen Aufwand gegenüber den vollen ESRS erheblich.

Lohnt sich ein freiwilliger Bericht, obwohl die CSRD-Pflicht entfällt?

Ja. Investoren, Kunden und Lieferanten erwarten weiterhin belastbare ESG-Daten. Wer den VSME-Standard nutzt, baut früh eine ESG-Strategie auf und ist für künftige Anforderungen gerüstet. Unser VSME-Workshop liefert dafür das nötige Know-How.